Vor allem in Großstadt-linken und Internet-Diskursen hört man immer wieder wie privilegiert cis-Frauen doch sein. Cis-Frauen werden in Teilen der linke/feministischen Bubble gar zur privilegiertesten Gruppe hochstilisiert.
Wir appelieren daher: Diskriminierte Gruppen gegeneinander auszuspielen, ist keine Strategie – es ist eine Fehlentwicklung. Wenn wir uns wirklich für Gerechtigkeit einsetzen wollen, müssen wir aufhören, uns gegenseitig zu opfern. Schauen wir uns die Fakten an.
Fakt ist, dass jede 3. Frau in ihrem Leben sexualisierte/sexuelle Gewalt erlebt, in Deutschland gibt es jährlich ca. 100 Femizide und all das erleben Frauen weil sie Frauen sind. Weltweit gesehen ist die Lage noch deutlich prekärer. Das Leben von Frauen wird nicht nur durch den andauernden Angriff auf unser körperliches Selbstbestimmungsrecht beeinflusst, dazu führen alltägliche Formen von Sexismus zu chronischem Stress, der Spuren hinterlässt.
Begriffe wie FLINTA* versuchen berechtigterweise klarzustellen, dass eben nicht nur Frauen im Patriarchat unterdrückt werden. Über spezifische Erfahrungen zu sprechen, die trans*/inter* Menschen machen ist wichtig.
Unsere Kritik ist nicht, dass Begriffe wie FLINTA* verwendet werden – unsere Kritik richtet sich an die Unterstellung von queerfeindlichkeit, sobald von frauenspezifischer Gewalt gesprochen wird. Ein fokussierter Kampf gegen genau diese Unterdrückungsmechanismen und die Gewalt, die Frauen in ihrem Leben ausgesetzt sind, ist nicht queerfeindlich.Die Kategorie Frau zu benutzten ist nicht queerfeindlich, eine Perspektive sichtbar machen heißt nicht automatisch eine andere unsichtbar zu machen. Frauen dürfen für Frauen kämpfen.
Sobald Diskriminierung gegen einander auszuspielen und am Ende nur geschaut wird, wer es denn wohl am schlimmsten hat, merkt man wie wenig wir alle eigentlich über intersektionalen Feminismus verstanden haben. Intersektionalität ist kein Rechenspiel bei dem man Diskriminierungen einfach addiert, bis man Privilegien und Diskriminierungen miteinander verrechnen kann („There is no hierarchy of oppression.” – Audre Lorde).
Frauen dürfen für Frauen kämpfen – nicht aus Ausschluss, sondern aus Notwendigkeit. Weil die Gewalt gegen Frauen nicht abgenommen hat, sondern tief in der Struktur der Gesellschaft verankert ist. Weil die Zahlen schreiend sind: jede dritte Frau, hunderte von Femiziden, alltägliche Bedrohung, politische Unterdrückung unseres Selbstbestimmungsrechts. Wer Frauen nicht als eine Gruppe sieht, die systematisch unterdrückt wird, verkennt dabei die Realität.
Feminismus ist kein Wettbewerb um Leid. Er ist ein Kampf um Gerechtigkeit. Und die Unterdrückung von Frauen ist keine Randerscheinung. Sie ist die Grundlage. Und solange sie besteht, dürfen und müssen Frauen für Frauen kämpfen.